Torf, Torf und noch mehr Torf

Freitag, 19.08.2011 Campbeltown – Bowmore

In Campbeltown gab es heute schon um 7:30 Uhr Frühstück, nachdem wir alles auch schon ins Auto verladen hatten, damit wir auch sicher unsere Fähre nach Islay erwischen. Nach den schlechten Erfahrungen mit der Zeitschätzung von Google haben wir noch einmal einen zusätzlichen Puffer eingeplant. Glücklicherweise erwies sich die Straße am Westufer von Kintyre als viel besser ausgebaut. Die Straße führt landschaftlich schön zu weiten Teilen an der Küste entlang, vorbei an vielen schönen Sandstränden und Felsformationen.

IMG_1876 Wir kamen rechtzeitig am Fähranleger an, so dass wir noch einen Teil des Anlegemannövers der Fähre MV Finnlaggan sehen konnten. Dieses dauert sehr lange. Mit einer Kapazität von 550 Passagieren und 85 Autos, darunter auch richtige Sattelaufleger, ist das eine sehr große Fähre. Es ist auch das neueste Schiff, das CalMac in seiner Flotte hat, seit Mai diesen Jahres ist es erst im Dienst.

Die Crew der MV Finnlaggan war wieder sehr gut organisiert und das Verladen klappte einwandfrei. Auf diesem Schiff kann man leider nicht einmal komplett außen an der Reling entlang laufen, man muss IMG_1859 zwischendurch immer wieder ins Schiffsinnere, um dann an einer anderen Stelle wieder ins Freie zu kommen. Zum Ablegen sind wir noch draußen geblieben, dann wurde es uns aufgrund des Windes einfach zu kalt und wir haben uns ein zweites kleines Frühstück im Bordrestaurant gegönnt. Das Bordrestaurant ist ganz vorne am Bug angesiedelt, sodass man auch schön rausschauen kann. Da es ganz klar war, konnte man alle umliegenden Inseln und das Festland die komplette Zeit sehen. Da zurzeit der Fähranleger in Port Ellen umgebaut wird, fahren alle Fähren nach Port Askaig, was uns eigentlich recht egal ist. Schöner muss die Hafeneinfahrt in Port Ellen sein, aber wir fanden den Weg zwischen Jura und Islay auch schön.

Auf der Fähre haben wir einen Professor von der FH Erfurt getroffen, der sich eine Destillerie anschauen und ein bisschen golfen will. Dafür wäre uns die Überfahrt nach Islay zu teuer. Nach einer Nacht wollte er auch bereits wieder übersetzen. Wir haben auch zwei Jungs getroffen, über die Julia noch gesagt hatte, dass es ihr in den kurzen Hosen viel zu kalt sei. Einer davon sprach uns nachher auf deutsch an. Er und sein Freund sind Schotten und kommen aus Fife. Es ist selten, dass man einen Schotten trifft, der deutsch kann, bei ihm ist es wohl berufsbedingt. Sein Freund war dann ganz dankbar, als wir wieder englisch gesprochen haben, da er dann mitreden konnte. Ganz am Ende stellten wir fest, dass wir uns im gleichen B&B in Bowmore eingemietet hatten.

Von der Fähre kamen wir dann schnell herunter, da zuerst die LKWs ausgeladen wurden und dann auch schon wir. Die Fähre war bei weitem nicht ausgebucht. Lustig war es dann im Rückspiegel die Fahrzeugkolonne zu beobachten, die sich alle auf der selben Straße hintereinander herschlängelte. Die Einheimischen hatten gleich zu Anfang überholt und waren dann weg, der Rest verteilte sich dann langsam ab Brigdend.

Wir fuhren einmal durch Bowmore und dann weiter nach Port Ellen. Die Straße zwischen Bowmore und Port Ellen liegt nach einem kurzen Stück am Anfang und am Ende in einem Moor und geht immer nur schnurgeradeaus. Mit einem Bandscheibenvorfall sollte man diese nicht fahren, da sie total uneben und wellig ist. Bei großen Bodenwellen stehen rechts und links an der Straße zwei weiße Betonpfeiler. Bei Brücken verengt sich die Straße auf eine Spur, zwei Spuren waren auf Brücken vermutlich zu teuer. Dennoch kann man hier zügig vorankommen, wenn man keinen zu empfindlichen Magen hat.

Direkt am Ortseingang ist Port Ellen Maltings. Dieser Betrieb mälzt fast die gesamte Gerste für die Whiskyproduktion auf Islay, natürlich immer nach den Vorgaben der Destillieren. Soweit wir wissen gehört der Betrieb zur Diageo-Gruppe.

IMG_1972 Port Ellen ist eine ganz nette kleine Stadt, die sich schön um eine sandige Bucht windet. Hinter Port Ellen beginnt die Destillerietour. Sie beginnt mit Laphroig vorne, es folgt Lagavullin und endet mit Ardbeg. Bei Ardbeg hatten wir uns für eine Full Range Tasting Tour angemeldet, das bedeutet, dass wir am Ende der Tour fast alle von Ardbeg produzierten Whiskys probieren durften.

Da wir sehr früh ankamen, aßen wir im Old Kiln Cafe noch eineIMG_1886  Kleinigkeit. Das Cafe ist empfehlenswert, das Essen war lecker und die Einrichtung ist toll. Man sitzt im früheren Darrgebäude. Da Ardbeg weder mälzt noch selbst Gerste darrt, wurden diese Gebäude in ein modernes und gemütliches Besucherzentrum umgebaut.

Unsere Tour war mit 11 Teilnehmern ausgebucht. Kein einziger Teilnehmer war Schotte, wir zwei Deutschen, vermutlich zwei Schweden, zwei Norweger und evtl. vier Dänen. Von den 11 Teilnehmern waren es immerhin mit Julia drei Frauen. Woran das wohl liegen mag?

Unser Tourguide hatte schon mitbekommen, dass wir alle keine Muttersprachler waren und sprach betont langsam und deutlich. Manchmal war es schon fast zu krass, aber gut verständlich war sie allemal. Sie begann mit der Geschichte der Destillerie. Interessant warIMG_1954 ein Produktionsstopp 1981 bis 1989 und noch einmal 1995. Nach der zweiten Ruhepause wurde die Destillerie von Glenmorangie aufgekauft für 7 Mio Pfund. 5,5 Mio waren der Gegenwert für die vorhandenen Fässer, 1,5 Mio für die Gebäude, das Equipment und das Gelände. Dies zeigt, welche Werte an altem Whisky noch in den Lagerhäusern lag. Glenmorangie nahm viele Renovierungen vor und lagerte auch das Mälzen und Darren aus. Glenmorangie wurde selbst weiterverkauft und gehört nun mit Ardbeg zum Konzern LVMH (Louis Vuitton, Moet, Hennessy), der wohl ein sehr gutes Marketing betreibt. 

IMG_1916 Der erste Schritt, den Ardbeg selbst vornimmt, ist das Mahlen des  Getreides, anschließend folgen die üblichen Schritte. Es gab die Möglichkeit in alle Washbacks zu schauen, die z. T. sehr unterschiedlich weit gediehen waren. Ralf durfte aus einem Washback eine Art Bier probieren. Die Spirit Still (2. IMG_1935Brennblase) enthält eine “purifier”. Dies ist ein Rohr, das vom oberen Ende der Brennblase die unreinen Bestandteile des Destillations wieder in die Brennblase zurückleitet. Wir durften auch einen Blick zur Fassabfüllung werfen, jedoch leider nicht in ein Lagerhaus.

Anschließend ging es zum großen Tasting. Es begann mit Blasda, ein niedrig getrofter Whisky mit nur 24ppm Phenolgehalt (also Rauch). Er ist recht jung, im Mittel acht Jahre und schmeckt scharf und schwach im Abgang. Den 10-jährigen IMG_1950 ließen wir aus, da wir den im Schrank stehen haben. Anschließend folgte ein Uigeadail, eine Mischung aus Bourbon- und Sherryfass mit 55ppm. Er ist süßlich und rund. Danach folgte der Corryvreckan mit 55ppm aber nicht süßlich. Ein Teil ist hier in komplett neuen Fässern aus französischer Eiche gereift, die vorher für nichts anderes verwendet wurden. Der Whisky hat dementsprechend auch den Holzgeschmack angenommen und war nicht so unser Fall. Der letzte Whisky war ein Supernova, der ein Spezialabfüllung und ausverkauft ist. Er hat über 100ppm und ist dann doch zu krass.

IMG_1985Nach diesem Tasting konnte sich Julia immer noch nicht für die Ardbeg Whiskys begeistern, die sind ihr dann doch zu heftig. Aus diesem  Grund durfte sie dann auch weiterfahren. Es ging zum Kildalton Kreuz und der Kirchenruine. Hier war die dorthin führende Straße schon ein Erlebnis. Z. T. konnte man in den Schlaglöchern schon schwimmen gehen. Auch die Übersichtlichkeit der Single Track Road ließ an machen Stellen zu wünschen übrig. Das Kreuz und die Ruine sind nett gelegen und man fragt sich, warum man in dieser abgelegenen Gegend überhaupt auf die Idee kommt, eine Kirche zu bauen.

Bei Laphroaig machten wir einen Abstecher, um Ralfs Miete für seine Parzelle Land abzuholen. Beim Kauf einer Flasche Laphroig erhält man die Möglichkeit ein Freund von Laphroig zu werden. Ralf hatte sich im Internet registriert und seine Parzelle Land zugewiesen bekommen. IMG_2024IMG_2014 

 

 

 

 

 

 

 

Man kann sich dann einmal jährlich bei Laphroig die Miete abholen, allerdings muss man dazu persönlich erscheinen. Die Miete erhält man in Form einer Miniatur. Julia entschied sich vor Ort auch eine Freundin von Laphroig zu werden und erhielt auch gleich die Pacht, die Nummer der Parzelle wird jedoch per Mail zugeschickt. So konnte nur Ralf losziehen und seine Parzelle mit einer Deutschlandflagge kennzeichnen. Das Gelände ist jedoch sehr matschig, weshalb wir dann doch nicht die vollen 454 Fuß nach links in den Matsch gelaufen sind, sondern nur so 40. Mal sehen, wie am Montag die große Tour bei Laphroig wird.

IMG_2040 In Port Ellen sind wir noch ein wenig an der Promenade entlang flaniert, bis wir uns ein frühes Abendessen beim Inder gegönnt haben. Das Essen war toll, das Ambiente gewöhnungsbedürftig. Man sollte deshalb nicht von der Einrichtung auf die Küche schließen. Wir würden wieder hingehen.

Dann fuhren wir zu unserem B&B nach Bowmore, wo wir zuerst daranIMG_2046 vorbeifuhren, weil wir das kleine Schild für Lambeth Guest House  übersahen. Margaret führte uns auf unser Zimmer und wir waren glücklich. Die Zimmer sind wunderschön und frisch renoviert. Wir haben im Prinzip zwei Einzelbetten, die bis auf einen Spalt zusammengeschoben wurden und vor allem zwei Decken!!!

So werden wir es die nächsten fünf Nächte aushalten!

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